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        Langer Kampf

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Donnerstag, 27.Apr 2017, 11:35

Cavia Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 10
Mitglied seit: 27.04.2017
Hallo,

Ich schreibe aus Polen, so bitte um Toleranz, wenn manchmal Fehler auftreten, Deutsch ist für mich eine Fremdsprache. Danke.

Ich bin ganz neu hier, für eure Ressourcen extrem begeistert! Seit langem suche ich nach Seiten wie diese... Bei uns ist Mediensucht genau so verbreitet wie in der BR, Spielsucht sicher auch, aber spezielle Therapien oder Selbshilfegruppen sind selten. Leider. Generell ist das Thema unterschätzt, auch bei Therapeuten. Es gibt schon welche Foren, manche tod seit Monaten. Deswegen, als Mutter von einem Betroffenen (Sohn, fast 16), musste ich weiter suchen. So bin ich hier gelangen.
Wir haben als Familie schon fast alles rund um diese Spielabhängigkeit erlebt, viel haben wir gemeistert, doch die Sucht besteht nach wie vor...
In nächsten Tagen beschreibe ich unsere Geschichte und wäre dankbar, wenn Ihr was dazu sagt, eure Erfahrung ist so groß.
Heute brauche ich aber dringend Unterstützung, bei uns is es wieder (wegen gesperrtem Computer) schlimmer geworden, dazu sind wir beide, ich und mein Mann Co-Abhängig, also liegt unser psychischer Zustand weit vom Komfort.
Also:
1/ Wenn mich ein Süchtiger erpresst, ist das typisch, ja? Ich soll mir keine Gedanken über die Erpressung machen und keineswegs mein Verhalten ändern? Keine Rede von Verhandlungen mit dem Terroristen?
2/ Wie kann ich das miese Gefühl schlechte Mutter zu sein, zu bewältigen? Wie kann man assertiv reagieren, wenn Opas, Omas und alle Möglichen die tollen Ratschläge geben, die nichts mit der Vernunft und dem Wissenstand zu tun haben? Wenn sie vorschlagen, den Erpressungen zu folgen und mal "aufzugeben", weil "er wird älter und klüger er wird sich ändern"
3/ Würde ich jetzt aufgeben und nicht stark genug werden, so wird das Thema immer Schlimmer? Es gibt keinen anderen Weg als stark zu sein?
4/ Die Konsequenzen sind seine Konsequenzen? Nicht meine, meines Mannes usw? Auch wenn wir Angst haben, wie es ihm weiter geht wenn er auf den Kampf um Computer nicht verzichtet (sein Kampfstoff ist: in die Schule nicht gehen und nur wenig essen).

Gruß
Aleksandra


Donnerstag, 27.Apr 2017, 17:20

Vedrfölnir Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 194
Mitglied seit: 03.06.2013
Okay wenn er das haben will kann er haben.
Aber ich würde es anders handhaben an deiner Stelle als Mutter.
Essen wenn er will ja; aber dann soll er selber zu sehen dass er Geld verdient von kleineren Aufgaben damit er sich Essen kaufen kann; weil so einfach aus dem Kühlschrank bedienen ist nicht wenn er sich nicht an Regeln halten will.
Und zocken?
Kann er gere haben aber das wird ihm nicht viel bringen; denn ihr beide als Eltern; Mutter und Vater könntet dennoch ohne lange hindiskutieren und kämpfen einfach wenn er mal nicht daheim ist alles technische aus seinem Zimmer verbannen; ja auch den Strom ausschalten komplett und euch so leisten und steckdosen stecker holen die man fernsteuern kann; so dass er im gesamten Haus seiner sucht nicht nachkommen kann.
Und Strom nur als Form von Licht und Wärme bekommen kann.
So und wenn er zocken will soll er gefälligst sein eigenes Taschengeld verdienen und das Privileg wieder Strom im Zimmer haben zu dürfen...ich versteh nicht warum man immer diskutieren muss; der harte Weg mag zwar schwierig sein und ich denke er wird sich viel sträuben aber er muss erst wieder zu sich kommen und besinnen.



“The only way to deal with an unfree world is to become so absolutely free that your very existence is an act of rebellion.”
-Albert Camus
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Freitag, 28.Apr 2017, 09:03

Cavia Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 10
Mitglied seit: 27.04.2017
Vielen Dank fürs Kommentar!

Das ist gerade die Antwort, die ich erwartet habe: dass wir nicht zu hart, sondern eben zu weich sind.
Nochmals danke.
Ich melde mich am Sonntag zurück mit unserer Geschichte.

Aleksandra
PS: mit meinem Son wird momentan nicht diskutiert. Wir haben den Rechner "gestohlen", eben weil er sich nich an die Regel hielt.
Sonntag, 30.Apr 2017, 10:43

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 779
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Aleksandra,

sicherlich hast du beim Lesen in unserem Forum schon festgestellt, dass ihr mit eurem Problem wahrlich nicht allein seid. Deshalb wäre es gut, wenn du dich tatsächlich ausführlich durch die Forenbeiträge hindurch arbeitest, weil du dir dann ein klareres Bild von der Gesamtproblematik machen kannst. So wird dir bewusst, welche Konsequenzen auf euch zukommen, wenn ihr nicht sofort und ohne Verhandlungsspielraum eingreift. Die Auswirkungen für die gesamte Familie und vor allem für den Betroffenen sind verheerend, wenn dieser Zustand sich über Jahre hinzieht.

Nun zu deinen Fragen:
1) Dass dein Sohn euch erpresst, ist ein typisches Symptom, weil dieser Fakt die Eltern weichklopft und verunsichert. Der Abhängige kämpft mit allen Mitteln, um sich freie Bahn für uneingeschränktes Zocken zu sichern. Der Erpressungspunkt Schule ist natürlich besonders beliebt und auch das Essen, denn an diesen beiden Stellen sind vor allem die Mütter angreifbar und geben auf, weil sie sich um ihr Kind massive Sorgen machen. Dies ist aber ein Trugschluss. Kein Betroffener wird so lange in den Hungerstreik gehen, bis er in Gefahr gerät, und kein Betroffener wird wieder fleißig die Schulbank drücken, wenn ihm erlaubt wird, grenzenlos und uneingeschränkt zu zocken. Im Gegenteil. Die Schulleistungen werden rapide sinken, die Fehlzeiten steigen, bis nichts mehr geht.

2) Das Thema Schuld ist vor allem bei uns Müttern stark ausgeprägt. Letztendlich wird jede von uns etwas finden, was sie nicht optimal hingekriegt hat, und so sind wir alle bei dieser Frage extrem schwach. Hinzu kommen verunsichernde Kommentare von allen Seiten, vor allem von der übrigen Verwandtschaft. Es ist schwer, sich da abzugrenzen und unbeirrt seinen Weg zu gehen. Deshalb solltest du über Maßnahmen, die du zur Lösung des Problems ergreifst, mit niemandem sprechen. Bitte darum, dass du über dieses Thema nicht mehr bereit bist zu diskutieren, weil du dich nicht mehr verunsichern lassen willst. Ich habe da immer ein schönes Bild vor Augen: Stell dir vor, dass du durch viele Informationen zur Problematik Mediensucht, durch innere Kraft und unbeirrtes Klarsehen zu einem Weg gefunden hast, der vielversprechend ist. Dieser Weg ist zu vergleichen mit einem üppigen und saftigen Feld von grünem Gras. Nun sprichst du darüber mit vielen anderen - mit hungrigen Schafen - und diese ziehen mit ihren Kommentaren über deine Wiese und fressen das hart erarbeitete Gras weg..... Lass das nicht zu.

3) Ja, du kannst mit Sicherheit davon ausgehen, dass es immer schlimmer wird. Dieses Problem verwächst sich nicht, wenn der Betroffene erst mal so richtig drin steckt. Handle, greif ein. In vielen Beiträgen hier im Forum kannst du nachlesen, was passiert, wenn du wartest.

4) Ja, dein Sohn muss selbst mit den Konsequenzen seines Tuns konfrontiert werden, seien sie auch noch so negativ. Wenn ihr ihm dies abnehmt, ihn ständig auffangt und davor bewahrt, wird er kein Problembewusstsein und keine Krankheitseinsicht entwickeln können. Eure "Unterstützung" wirkt suchtverlängernd. Der harte Weg ist der effektivste und er ist der Weg der Liebe, weil nur er euren Sohn aus diesem Tunnel heraus führen kann.

Ich wünsche euch ganz ganz viel Kraft.
Herzlichst, Merle
Montag, 1.Mai 2017, 18:52

Cavia Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 10
Mitglied seit: 27.04.2017
Hallo Merle,
Danke für deine Aussage, ich habe schon viele Beiträge gelesen - es geht mir besser, dass wir nicht die einzigen in der Welt sind. Lange fehlte bei mir die Sicherheit, unser Sohn ist süchtig. Mein Mann war mehr dabei, aber ich, die Mutter...
Die Story ist wie alle andere: Da haben wir einen Jungen, im Juni wird er 16, der immer irgendwie neurotisch war; litt die ganze Kindheit an Neurodermitis, jetzt denke ich, er hat auch mittelmäßig ausgeprägte ADHS, Probleme mit der Konzentration (auch bevor der Computer-Zeiten), geringe Ausdauer. Als in der 5. Klasse (also 11/12) erste Mißerfolge kamen, haben sich auch die ersten Anzeichen von der Schulphobie gezeigt. Zu dieser Zeit hat er auch seinen eigenen Laptop gekriegt (er hat das mitfinanziert), und sein eigenen Youtube-Channel für Minecraft gegründet, wo er sehr schnell sehr großes Publikum sammelte. Er betrog uns ständig wegen Spielzeiten, als wir zu Hause waren, schien es O.K zu sein, aber wenn nicht... Wir betrogen uns selbst, es lege keine Mediensucht vor, da er noch Fußball spielt, noch mit Kumpel ausgeht und gerne während Ferien zu Großeltern fährt und das ohne Computer. Und mit dem Minecraft, da gab es Streiten, aber wir haben die Gedanken über Sucht abgelehnt €“ naja er spielt zwar lange Zeiten, aber er dreht die Filme, die er später rendert usw., also er macht was konstruktives€
Mit der 6. Klasse endet bei uns die Grundschule, dann gehen alle aufs Gymnasium(3 Jahre) (ist weiter die Grundstufe, also muss jeder absolvieren; das ist nicht wie in Deutschland: Gymnasium = beste Schule, fürs Abi usw). Dort hat er den Counterstrike gelernt€ Seine Informatiklehrerin erlaubte die Jungen, €ein bisschen€ am Ende des Unterrichts zu spielen. Er begann massiv zu spielen, zu schwänzen, betrog uns wegen Hausaufgaben, Klausuren, wenn wir den Computer nehmen, ist er aggressiv, sonst depressiv; dann hat er uns ein schönes Geld gestohlen, für Counterstrike (mit Kreditkarte bezahlt€). Und er hat so tragische Noten in der Schule, dass er mit der Schule total aufgab und blieb zu Hause. Psychiaterin hat eine Schulphobie festgestellt. Trotzt Abwesenheiten wurde er versetzt, dank den guten Noten im ersten Halbjahr.

Nach den Sommerferien, in der 2. Klasse hat er geschafft, 3 Tage die Schule zu besuchen und Schluss damit. Also wieder zu der Psychiaterin, sie hatte die Diagnose €Schulphobie€ bestätigt und eine Empfehlung für €Individuellen Unterricht€ geschrieben. Der individuelle Unterricht wird durch die Schule des Kindes realisiert und von denselben Lehrern. Also wir haben diese Lösung bei Behörden beauftragen, es gab keine Probleme, da die Diagnose hier entscheidend ist. Ab Mitte November hatte er den Unterricht, die Lehrer kamen zu uns und er konnte normal lernen€ aber er hat eigentlich nicht gelernt. Die Noten waren schrecklich, die Lehrer haben sich über seinen Wissenstand beklagt. Damals bin ich zum ersten Mal auf die Idee gekommen, dass er stark mediensüchtig ist. Er war nicht mehr in der Lage, zu lernen. Wir versuchten, die Zeit am Computer stark zu begrenzen, was teilweise gelungen ist, aber damals habe ich verstanden, dass er spielt auch wenn er nicht spielt. Dass er nur damit lebt. Wenn getrennt, denkt er nur an die schöne Zeit, wenn er wieder spielen wird. Und wenn nicht €“kommen Filme oder TV oder irgendwas auf dem Bildschirm.

Wir besuchten die Familientherapie, aber das ging schwierig. Wir versuchten, an der Kommunikation zu arbeiten, aber der Junge kommt nicht zur Session, wenn wir Z. B den Rechner wegnehmen, weil er nicht lernt oder die Zeit überschreitet. Dass soll die Strafe für uns sein. Manchmal €“ ebenfalls als Strafe €“ macht er die Tür nicht auf, wenn Lehrer kommen.
Montag, 1.Mai 2017, 18:53

Cavia Benutzer ist offline

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Anzahl Beiträge: 10
Mitglied seit: 27.04.2017
Fortsetzung:

Damals fragte mich unser Therapeut €warum nehmen sie den Computer nicht, so für ein Jahr lang zum Beispiel?€ Ich hatte keine Antwort. Aber die Antwort ist mir heute klar: ich hatte einfach Angst, dass sich mein Junge unwohl fühlt, dass die Depression kommt usw. Allerdings das war die Familientherapie und das Ziel war, an unseren Verhältnissen zu arbeiten und nicht an der Abhängigkeit; das Thema wurde aber auch genannt.

Dann kam es zu Handgreiflichkeiten, wenn wir den Computer ins Büro mitgenommen haben, so das de Maschine zu Hause nicht mehr ist. Uns direkt griff er nicht an, aber zerstörte Dinge und machte viel Lärm zu Hause abends und nachts. Und der Unterricht findet nicht mehr statt (Strafe für die bösen Eltern). Die Schule benachrichtigt das Gericht (wir haben kein Jugendamt, sondern spezielle Abteilung für Jugend und Familien beim Gericht), dass der Junge die Schulpflicht nicht realisiert. Nach Hause kommt Bewährungshelferin und erstellt den Bericht.

Dann startet der Unterricht wieder und damit kommt auch Rechner zurück (großer Fehler!). Nach einem Monat widerholt sich die Situation, also Computer weg, aggressives Verhalten, keine Schule mehr. Wir bekommen von der Psychiaterin eine Einweisung zum Klinikum für Nervenkrankheiten. Glücklicherweise gibt es einen Platz sehr schnell; Irgendwie ist es gelungen, ihn ins Auto und dorthin zu fahren. Leider blieb er dort nicht, weil er keine Interesse für die Therapie aufwies und das ist die Hauptbedingung. Er war aber stark erschrocken und sein Verhalten veränderte sich. Er begann zu lernen und kehrte für die letzten 2 Monate der 2. Klasse ganz normal in die Schule zurück und wurde versetzt. Der Computer war stark begrenzt. Ende Juni waren wir noch vor dem Gericht, wegen der €wahrscheinlicher Sittenverfall des Jugendlichen€ gezogen. In Polen gehört Schwänzen zu Demoralisierung, wie Drogen oder Alkohol.
Wir sind ruhig geworden, dass das alles vorbei ist. Da er in der 3 klasse keine Anzeichen von der Schulphobie zeigt, waren wir sicher, dass wir auch mit der Sucht fertig sind€ Dann geht es wie früher: am Anfang gut, dann schlimmer und schlimmer. Er verhandelt ständig über die Computerzeiten. Am Anfang herrschte die Regel: Computer erst, wenn ich oder Vater zu Hause bin, also etwa ab 17 Uhr. Erst dann wir das Zimmer mit dem Router geöffnet und er kann Internet-Kabel in den Router stecken. WiFi bieb für ihren Computer gesperrt.

Wenn wir nur erkannten, dass er betrügt, nahmen wir den Computer weg. So war das auch verabredet. Und das Handy auch, wenn wir sehen, dass er den ganzen Tag die Filme schuat€ Er ist wieder agressiv, droht mit Selbsmord. Ich rief die Polizei an und rede mit dem Polizisten mit dem Lautsprecher, damit Sohn alle hört. Er wurde dann ruhig und nie mehr aktiv aggressiv. Aber die Situation: kein Komputer = keine Schule wiederholt nach wie vor. Letztendlich beschlossen wir so eine Regel: 3 Stunden Spielen am Tag, die Zeit ist beliebig aber kein Schwänzen, eine individuelle Therapie und Sport 2 Mal pro Woche. Diese Regel war für einige Wochen wirksam, danach wie immer. Therapie unterbrochen, kein Sport mehr, einiege Stunden Schwänzen (nicht so stark wie früher, aber doch), jeden Tag Verspätung, Müdigkeit usw.
Montag, 1.Mai 2017, 18:59

Cavia Benutzer ist offline

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Als er vor einer Woche wieder zum Sport nicht ging (Kopfschmerzen), stattdessen begann er zu spielen (ich habe doch die 3 Stunden! Mir schadet das Zocken nicht, bei Kopfschmerzen geht es mir besser wenn ich Zocke€.), haben wir den Rechner weggenommen, weil er sich an die Regel nicht hielt.
Also wieder €“ Schwänzen. Zuerst hatte er 3 Tage lang TV und Netflix geschaut; dann wurde er abgetrennt, die Logins am Router geändert, zum Provider auch, so er keine Möglichkeit hat, sich anzuschließen. Alle alten Laptops sind weg, er hat noch seinen Handy, aber das Internet-Paket ist schon vorbei, und wifi gibt es nicht mehr€

Also er geht nicht in die Schule, obwohl nur 2 Monaten geblieben sind, er ist in der letzten Klasse Gymnasium, soll sich jetzt eine Oberschule aussuchen, bald kommt Anmeldefrist bei Oberschulen; Ihm ist es Wurst, weil er keinen Computer hat€ Ist unsere Schuld doch. Anfang April schrieb er die mittlere Reife, war relativ zufrieden, die Ergebnisse gibt es Ende Juni. Jetzt kämpfen alle Schüler um Noten, da Abschlussnoten + Punkte auf der mittleren Reife für die Oberschule entscheidend sind.
Er hat auch seine einige 1 (dh deutsche 6) verbessern müssen, um das Gymnasium abzuschließen €“ aber weil er in die Schule nicht geht... Früher hatte ich immer Angst €was passiert mit der Schule, was wenn er widerholt€. Jetzt nicht mehr. Hätte er sich um die Schule gekümmert, gäbe es keine 1 (deutsche 6). Er ist nicht dumm. Das Sitzenbleiben hat er eigentlich verdient, auch wenn das hart ist. Er hat beste Umstände, volle Familie, wo beide Eltern da sind, sympathische Schwester (2 Jahre jünger), und bei Bedarf auch riesige Unterstützung bei eigentlich allen Fächer.

Er steckt in seinem Zimmer, oder geht aus, ich denke er ladet sich Filme herunter, irgendwo beim freiem Internet. Seit 2 Tagen geht er auch wieder skaten.

Der Zustand dauert schon 10 Tage. Wir reden mit ihm nicht, ich sehe er ist verunsichert, weil es früher immer anders war €“ nach einigen Tagen kam ich immer zu ihm und diskutierte und es gab neuen Vertrag€ Jetzt aber Schluss damit. Wir werden natürlich mit unserem Sohn reden und uns bemühen, alle Kenntnisse aus der Familientherapie zu nutzen, aber erst wenn er zu uns kommt und in der Lage wird, nicht nur nach €also wann kriege ich den Rechner zurück€ zu Fragen. Ich lasse mir nämlich keine Erpressungen mehr zu, im Sinne €ach ihr böse Eltern, ich sehe dass euch meine Schule nicht angeht, wäre es anders, würdet ihr mir den Computer zurückgeben€

Ich als Mutter bange natürlich ums Essen, er ist sowieso schlank genug, aber es ist nicht so schlimm, reine Machtprobe €“ ich habe in seinem Zimmer 1-Literglass Nutella gesehen (woher er das hat, will ich mir nicht vorstellen, er hat kein Geld mehr), also er verhungert sich nicht, auch wenn das nicht DIE Ernährung ist€

Er wollte Taschengeld (Mama ich habe das Bad gewaschen also bitte um Taschengeld), die Bitte wurde abgelehnt, weil er mir für die Therapie schuldig ist, ich musste die Rechnung begleichen auch wenn er sich nicht gemeldet hat.

Jetzt sammeln wir das Wissen. Die Seiten hier sind wirklich toll. Ich habe schon so viel gelernt. Vor allem lese ich die Beiträge über Kinder, die älter als mein Sohn sind €“ als Warnung! Macht mir gut bei Zweifel, ob wir richtig machen. Weil ich sehe, dass wir noch Zeit haben. Mehr als 2 Jahren, bis er volljährig ist. Und er hat noch einen realen Freund (mit dem er leider auch zockt), und er duscht noch, geht aus dem Haus, er hat die Prüfungen geschrieben, er hat auch Träume (seit immer: Pilot zu werden), nur der Weg zu den Träumen ist immer komplizierter als das Zocken€
Ihr habt mir die Augen geöffnet. Wir ändern auch die Internet-Politik zu Hause, auch weil wir das alles überlegen, für die Tochter und für uns auch.

Mein Mann wird nächste Woche ein Termin bei Suchtberatungsstelle ziehen. Privat, sonst dauert das 6 Monate oder so was.

Mit dem Handy wollen wir auch was machen, wir müssen uns aber vorbereiten. Es geht darum, dass er nicht in der Lage sein sollte, Filme irgendwo herunterzuladen und dann nachts in seinem Zimmer schauen. Jetzt hat er sowieso zu Hase so gut wie kein Internet, nur das langsame Rest von T-Mobile, kann damit nichts anfangen.

Danke für alle, die sich Mühe gegeben haben, das Ganze zu lesen. Ich weiß, dass es in unserer Geschichte nicht spezielles gibt. Eure Unterstützung und Tipps, auch Kritik wenn nötig, wäre aber sehr große Hilfe für uns beide.

Gruß
Aleksandra

PS. und in der Zukunft werden meine Beiträge sicher kurzer sein
Samstag, 6.Mai 2017, 19:17

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 779
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Aleksandra,

danke für diesen ausführlichen Einblick in eure Situation.

Ich merke deutlich, dass sich bei euch mittlerweile was bewegt und dass ihr viel verstanden habt und umzusetzen versucht. Der wichtigste Punkt ist der, nicht immer wieder denselben Fehler zu machen wie früher: den Laptop wieder raus zu rücken, sobald sich die Wogen einigermaßen geglättet zu haben scheinen. Wenn euer Sohn nicht die Möglichkeit bekommt, wirklich den Entzug komplett zu vollziehen, wird er sich nicht erholen können. Sein Suchtgedächtnis wird Tag für Tag am Leben erhalten, wie bei einem Alkoholiker, der ab und zu einen Schluck genehmigt bekommt oder wie bei einem Raucher, der z.B. immer ab 18 Uhr rauchen darf und nur vorher nicht. Sein ganzes Denken wird immer nur darum kreisen, wann endlich wieder der Zeitpunkt kommt, an dem er an sein Suchtmittel darf. Würde es sich bei eurem Kind um eine Heroinabhängigkeit handeln, würdet ihr doch auch nicht sagen: Wenigstens eine kleine Spritze am Tag, damit es ihm nicht allzu schlecht geht, oder? Ihr dürft dies ruhig einmal mit Drogen vergleichen, denn die Prozesse, die hier ablaufen, sind im Prinzip identisch.

Offenbar merkt euer Sohn, dass ihr inzwischen bereit seid, andere Geschütze aufzufahren (z.B. die Polizei zu holen). Das ist gut, denn ihm soll klar werden, dass er euch nicht mehr grenzenlos strapazieren kann. Sobald er Dinge zerstört, schreibt ihr den Schaden bitte ausführlich auf eine Liste, denn er wird euch diese Schadenssummen ersetzen müssen, sobald er finanziell dazu in der Lage ist. Das sollte er wissen.

Bleibt, was die Schule anbetrifft, weiterhin unbeeindruckt. Eurem Sohn muss klar werden, dass er nicht euch mit seiner Schulverweigerung bestraft, sondern einzig sich selbst . Wenn ihr ihm diese Erpressermaßnahme nehmt, steht er mit leeren Händen da.

Dass du ausführlich die Forenberichte liest, die dir zeigen, was euch bevorsteht, wenn ihr das jetzt nicht durch zieht, ist wunderbar. So holst du dir die Kraft, standhaft und konsequent bei diesem neuen Kurs zu bleiben.

Ich drücke dir alle Daumen, dass du weiterhin über dich selbst hinaus wächst, um deinem Kind da raus zu helfen. Dieser schwere Weg lohnt sich!!!

Herzlichst, Merle
Sonntag, 7.Mai 2017, 19:52

Cavia Benutzer ist offline

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Anzahl Beiträge: 10
Mitglied seit: 27.04.2017
Hallo merle,

Danke für alles das Du schreibst.
Wir halten uns daran und aus allen Kräften an die neuen Regeln. Keine Verhandlungen, kein "Er hat schon verstanden".
Ich telefoniere diese Tage oft mit meiner Freundin, die die schrecklichsten Erfahrungen mit Alkoholismus und Co-Abhängigkeit gemacht hat, wenn ich nur fühle, dass ich "weicher" werde. Sie sagt immer "nimm kalte Dusche un bleib daran, was du schon alles erfahren hast". Wirkt perfekt .
Wie läuf es bei uns? Heute ist der 15. Tag ohne Computer, und wifi. Nach dem langen Wochenende, also am 4. Mai (bei uns ist der 3. Mai auch ein Fesstag), ging unser Junge zur Schule. Ganz von sich selbst. Wir haben mit ihm drüber nicht geredet. Wir haben überhaupt nicht geredet. Wir waren auch erstaunt, wenn wir in dem E-Klassenbuch keine Fehlstunden sahen. Am Freitag passierte dasselbe, mit 2 Stunden Schwänzen in der Mitte. Was noch mehr erstaunlich war, begann er am Nachmittag von sich selbst zu reden, worum es mit den 2 Fehlstunden geht. Von unserer Seite keine Fragen. Ich sehe, er ist verunsichert, worum es hier geht...

Der Abend am Donnerstag war aber schlimm. Ich habe ihn gebeten, die Küche nach seiner Tätigkeit sauber zu machen, er begann überheblich zu sein, wollte das nicht "ich muss mich an eure Regeln nicht anpassen, du hast meine Wäsche nicht gewaschen also ich reinige die Küche nicht usw." Also wir haben ihn um seinen Handy gebeten, wenn du unsere Regeln nicht willst, kriegst auch nichts extra von uns, und Handy- Abo ist definitiv was "extra". Er wurde wieder bockig und arrogant, aber letztendlich haben wir die Situation beherrscht. Am Freitag schrieb er sms an mich "wann kriege ich mein Computer zurück". Ich war aber so beschäftigt in der Arbeit, dass ich vergaß, zu beantworten. Und er fragte nicht mehr...

Was die Schule generell anbelangt, halten wir uns genau daran, was Du merle sagst: wir zeigen keinerlei Interesse. Sowieso lernt er überhaupt nicht und wir haben auch genug von dem ständigem Motivieren. Unser Therapeut hat uns auch mehrmals gesagt "lasst bitte die Schule in Ruhe, es gibt hier wichtigere sachen". Ich kann schon verstehen, dass mei Sohn mitten im Pubertät ist und sich gegen uns auflehnen muss, aber schliessendlich dient Pubertät dem Ziel, die Verantwortung zu übernehmen. Das heißt, Konsequenzen zu lernen und zu spüren. Wir haben schon alles erprobt. Wir haben ihm (zusammen mit unserem Therapeut) mehrmals Lösungen angeboten, wie Schule ändern, Klasse ändern, Nachhilfen, Diagnose bez. ADHS usw. Alles "nein" und am besten Spielen in der Ruhe. Ich kenne keinen anderen Weg jetzt, als ihm zu zeigen, was passiert, wenn man mit eigenen Probleme nicht arbeitet.

Diese Wochenende verlief glatt, wir haben sogar ein bißchen geredet, er hat normal das Mitagessen gegessen, seine Klamotten gewaschen , mit Freunden getroffen...

Morgen haben wir (ich und mein Mann) das Treffen mit einer Suchtterapeutin bei einer privaten Suchtberatungsstelle. Wir wollen als Eltern von einer Spezialistin etwas über Verhaltenssucht und derer Physiologie erfahren, wie lange der Entzug dauern soll und was weiter. Sprich eine Beratung einfach. Unser Familientherapeut, an den wir uns immer wenden können, ist leider kein Suchtherapeut.

Bitte weiterhin Daumen drücken, damit wir bei der neuen Auffasung bleiben.

VG, Aleksandra



Mittwoch, 10.Mai 2017, 16:48

Cavia Benutzer ist offline

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Hallo,

Bitte um Unterstützung. Es ist schlimm, extrem schlimm.
Am Montag war er nur 4 Stunden in der Schule (Verspätung). Am Nachmittag hat er wieder Computer verhandelt (Schulprojekt und er muss das auf eigenem Computer machen - Quatch natürlich)
Gestern war er nicht mehr in der Schule. Ohne irgendwelche Info an uns. Am Nachmittag, als ich zu Hause war, war er wieder bockig und ohne Kontakt eigentlich. Ich habe ihn gebeten, den Waffeleisen zu reinigen, er machte Waffel für sich und der Waffeleisen war total mit Teig verklebt. Er wollte nicht, mit so aggresiven Wörter (ich muss nicht, mach das selber, dass ist nicht mein Schmutz sonder deins, usw). Ich habe ihm gesagt, bei uns im Haus gelten andere Regel, du hältst dich nicht an die Regel, gehst wider nicht in die Schule und zu Hause machst alles als du kein Teil der Familie wärst. Ich habe ihm den Handy genommen, mit der Erklärung, ich muss für dein Vergnügen nicht bezahlen. Das war ihm auch früher deutlich gesagt, dass Handy ein "Extra" von uns ist. und unser Therapeut hat uns immer daran angewiesen, dass wenn er sich entscheidet, zu Hause zu bleiben statt zur Schule zu gehen, dürfen keine Vergnügen ihm zur Verfügung stehen. Dh. kein TV, kein Computer, kein Internet - nur Bücher oder Langeweile.
Danach begann ein Ausbruch, Ich ging weg vom Haus, als ich zurückkehre, begann er mich zu plagen, er hat ein wertvolles Buch mit einem Messer geschnitten, nur gib mir mein Handy und Computer. Danach "du wirst noch sehen, was morgen passiert! Dann ging er aus dem Haus, ohne Wort und ohne Erlaubnis (wenn er nicht in der Schule ist, darf er nicht ausgehen).
Mein mann rief Polizei an, kurz "Junge, massiv Schwänzen, 1 Jahr Therapie, schon einmal vom Gericht, droht und erpresst, ist ohne Erlaubnis weggegangen", die haben ohne Weiteres 2 Polizisten geschickt. Die Polizisten haben mit uns kurz geredet "vielleicht sollte der Junge mal etwas konkretes erleben, wie zB Erziehungsanstalt?". Dann natürlich begannen siÄ™ ihn zu suchen. Leider ist er von sich selbst nach Hause gekommen.
Dann den ganzen Abend in seinem Zimmer geliegt. Er drohte nicht mehr, versuchte aber die Zimmertür zuzuschliessen.
Heute wieder nicht in der Schulle. Mein mann machte Home Office, so auf alle Fälle. Wir haben für den Sohn ein einfaches Handy bereitgestellt, damit er mit Freunden kommunizieren kann. Er will nicht - er rede nur per Messenger, so was kann er nicht nutzen. Schade. Und wir sehen jetzt, dass sein Smartfon auch ein wichtiges Teil der Sucht war...
Um 14 versuchte er, aus dem Haus zu gehen "ich muss eine Klausur in Erdkunde verbessern". Mein Mann hat das nicht erlaubt, erstens glauben wir das nicht, zweitens es gibt so ein Recht nicht, dass sich ein Schüler die Stunden auswählt, die er besuchen will. Dann kam nächster Ausbruch - ihr wollt über alles entscheiden, ihr habt schon entschieden, dass ich nicht versetzt werde! (seit dem 10. April war er nur 8 Tage in der Schule, 3 davon waren Prüfungen nur).
Ich hoffe, dass entweder ihr oder ich ums Leben kommt!"
Und dan zurück ins Zimmer.
Jetzt baut er LEGO
Ich bin kritisch erschöpft, gestresst, am Ende.

Mittwoch, 10.Mai 2017, 21:33

Vedrfölnir Benutzer ist offline

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Ganz ehrlich?
Verzeihung wenn ich jetzt ein bisschen anders klingen sollte aber SO NICHT VERDAMMT NOCHMMAL!
Das was euer Sohn abzieht ist einfach nur mehr unnormal; das heisst wohl oder übel müsst ihr jetzt de Strick ziehe und ihn eine Klinik oder Therapie einweisen egal ob er will oder nicht; weil sein Verhalten und seine ganze Aussagen schaden nicht nur ihm und euch; es macht auchd ie Beziehung zwischen euch als Eltern Kind total kaputt.
Nein euer Sohn muss erst Abstand von Euch gewinnen und endlich kapieren dass er euch nicht drohen kann nicht nur weil ihr seine Eltern seid sondern auch merken dass das nicht normal ist.
Und da er um jeden Preis alles versucht würde ich an eurer Stelle wirklich alles nicht lebens notwendige aus seinem Zimmer und Umfeld entfernen; so dass er gezwungen ist mit euch wieder respektvoll umzugehen wenn er was will oder braucht.
Sein leeres Zimmer mit Bett und einer Garnitur Bettwäsche reicht. Will er frisches muss er eben die Wäsche selber waschen und so weiter.
Nein er soll sehen dass wenn er was willd afür was tun/ arbeiten muss und da er in dem Alter auf einer trauriger Weise alles haben will; euch unter Druck setzt und euch/sich den Tod wünscht zeigt nur dass ihr profisionelle Hilfe braucht bevor ihr alle an dem kaputt geht.
Dass er mal von euch und ihr voneinander wegkommt; euch sammeln könnt.
Holt euch einfach profisionelle Hilfeund ich bin mir sicher dass es bei euch auch so Wohngemeinschaften für schwer erziehbare Jugendliche gibt


“The only way to deal with an unfree world is to become so absolutely free that your very existence is an act of rebellion.”
-Albert Camus
--

Freitag, 12.Mai 2017, 18:19

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
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Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Aleksandra,

nicht verzweifeln - ihr seid auf einem guten Weg, der aber noch holpert und noch nicht ganz die konsequente Unbeirrbarkeit hat, die es braucht. Euer Sohn muss natürlich immer wieder austesten, inwieweit ihr tatsächlich ohne Verunsicherung diese neuen Regeln durch zu ziehen in der Lage seid. Da ist es ganz normal, dass sich die "guten" Phasen mit den "schlechten" abwechseln. Sobald er sich (scheinbar) für eine Weile wohl verhalten hat (= gute Phase), weil er immer noch davon ausgeht, dass dann alles wieder gut wird und er sein "Spielzeug" zurück bekommt, folgt eine Phase der Aggression, der Verweigerung und der wüsten Beschimpfungen. Wenn ihm nämlich klar wird, dass sein Wohlverhalten nicht zu dem gewünschten Ziel führt, rastet er natürlich aus, denn er ist süchtig und ist nicht durch ein paar Wochen Entzug geheilt. Dieser Wechsel wird sein Verhalten bestimmen, bis er endgültig verstanden hat, dass ihr bei eurem Vorsatz bleibt, komme was da wolle. Erst wenn er begriffen hat, dass er sich sein Suchtmittel nicht mehr erkaufen kann, dass weder Schulverweigerung, noch sich im Zimmer verschanzen, noch wüste Drohungen etwas ändern, kann der Prozess der Erkenntnis beginnen.

Es ist nicht günstig, wenn ihr mit dem Handy bestraft oder belohnt. Dadurch bekommt es eine ungeheure Bedeutung und hat zur Folge, dass euer Sohn Dinge nur "brav" tut, damit er sein Handy nicht abgeben muss und nicht, weil ihm die Notwendigkeit dessen klar ist. Wenn er die Küche nicht sauber macht, hat dies mit seinem Handy nichts zu tun. Deshalb sollte dieses Fehlverhalten etwas zur Folge haben, was in unmittelbarem Zusammenhang damit steht - z.B. darf er sich keine Waffeln mehr backen, wenn er nicht hinterher das Waffeleisen säubert, oder er darf sich nichts mehr in der Küche herrichten, wenn er seine Spuren nicht piccobello beseitigt. Ohnehin ist es besser, wenn er gar kein Smartphone mehr hat, weil dies Teil seiner Abhängigkeit ist und er sich daraus nicht befreien kann, solange er auf das Smartphone ausweichen kann.

Bleibt dabei, dass ihr sein Schwänzen nicht kommentiert, und die Regel ist gut, dass ihm an den Fehltagen nichts bleibt außer der kreativen Langeweile. Habt Geduld. Dieser Prozess ist lang und hart. Sobald ihr eure Regeln auch nur einmal brecht, geht alles wieder von vorne los. Dann wittert er wieder Verhandlungsspielraum und wird sich sofort wieder ins Gefecht stürzen. Je klarer und konsequenter ihr bleibt, desto eher wird sich die Lage entspannen, weil er begreift, dass er nicht mehr durch kommt. Ab dann könnt ihr behutsam damit anfangen, eure Beziehung wieder neu auf zu bauen.

Ich wünsche euch weiterhin viel Kraft.
Merle
Sonntag, 14.Mai 2017, 17:39

Cavia Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 10
Mitglied seit: 27.04.2017
Hallo zusammen,

Danke für eure Beiträge.

Ihr habt Recht, ohne Zweifel. Wir lernen langsam, das ist auch ein Prozeß.
Allerdings geben wir uns große Mühe, um stark zu bleiben. Das ist nicht einfach, weil es sehr schwierig ist, eine angepasste Hilfe zu finden. Wir haben schon alles ausprobiert, wenn wir schon eine Beratungstelle finden, dann werden dort keine Jugendlichen behandelt, un wenn es eine für Jugendlichen gibt, dann beschäftigt sie sich mit Mediensucht nicht.
@Merle, mit dem Handy haben wihr sicher den Falschen Weg gewählt - eigentlich ging es um die vom Therapeut verschriebene Langeweile, die Küche kam zusätzlich hinzu; Nach einigen Gesprächen mit Psychologen wollen wir ihm den Handy nicht wegnehmen, aber doch Internet für bestimmte Zeiten begrenzen, was bei T-Mobile ganz einfach ist. Belohnen/bestrafen finde ich generell falsch, nur manchmal fällt nichs besseres ein...
Die Absicht war, für einige Stunden nur, aber wegen seines Verhaltens dauerte das länger.
Der Angriff in der letzten Woche wurde irgendwie abgewehrt. Donnerstag Abend kam die Entspannung. Er kam von sich alleine und wollte reden und hatte sogar das Thema "wan kriege ich den Computer zurück" nicht berührt. Wir natürlich auch nicht. Er war ganz ruhig und wir haben relativ lange gesprochen, er konnte unsere Stellungnahme kennenlernen. Wir haben ihm auch lange zugehört. Sein Vorwurf war: ihr nehmt das, was ich liebe, um mich zu kränken. Ich habe das clever beantwortet, schau mal, wir haben dein ASG-Gewehr nie genommen, wenn es nur darum ginge, dich zu kränken, würden wir die ASG-Dinge in der ersten Reihe wegnehmen (ist sein großes Hobby, aber kein Psychodroge...) Ich konnte sehen, er dachte nach. Seine Gewalt (dh zertstörtes Buch) versuchte er zu entschuldigen, ich habe nur gesagt, das ist inakzeptabel und bleibt noch lange zwischen uns.
Am Freitag war er in der Schule, obwohl wir gar keinen Vertrag über Computer gemacht haben. Also es ist uns gelungen, uns in der Ruhe zu unterhalten und das Thema "wann Computer" nicht besprechen. Das Thema Schwänzen haben wir auch nicht diskutiert - er versuchte das sogar, aber wir teilten ihm mit, dass wir davon wissen und dass Schule seine Verantwortung ist, wir werden hier auch später nichts machen, entweder ihn zu entschuldigen oder irgendwie zu bestechen (mit Belohnungen oder Strafen)
Morgen beginnt die Klassenfahrt, war schon einige Monaten früher bezahlt und er fährt mit - glücklicherweise. 5 Tagen in Masuren können ihm (und uns hier zu Hause) gut tun.
Sein Verhalten ist wechselhaft, mal ganz normal mal irgendwie auffalend. Ich sehe jetzt auch, unser Familientherapeut hat das auch mehrmals erwähnt, unserem Sohn fehlt es eindeutig an die Fähigkeit, Emotionen und Gefühle auszudrücken, sogar nur nennen. Wichtig, dass er jetzt sehr viel mit Leuten ausgeht, manchmal kommen Freunde auch zu ihm und bleiben wirklich lange. Sie lachen viel, sind laut und amüsieren sich ganz "wie zu meiner Zeiten ".
Ich muss noch viel lernen, mich vor allem damit abfinden, dass sich die "guten" Phasen mit den "schlechten" abwechseln. Wir haben das schon mehrmals gehört, auch bei unserer Familientherapie, wo es eigentlich um seine Neurose usw ging, glaubten daran nicht so sehr... Man möchte glauben, läuft alles besser, ist die Sache schon erledigt. Was noch dazu kommt und vielleicht noch schwieriger ist: sich in der schlechten Phase nicht momentan so verloren zu fühlen, sondern ruhig und konstruktiv zu denken.

Schwere Arbeit, aber ohne diese Forum wäre sie noch schwieriger. Gut, dass Ihr hier seid und die Hilfe leisten.

VG, Aleksandra.




Mittwoch, 17.Mai 2017, 17:18

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 779
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Aleksandra,

das hört sich doch ganz gut an und ich freue mich auch, dass es euch gelungen ist, endlich einmal in Ruhe miteinander zu sprechen. Genießt jetzt erst einmal die fünf Tage, an denen er auf Klassenfahrt ist und tankt ein wenig Kraft. Das Wichtigste ist, dass ihr NICHT einknickt und ganz fest bei eurem Kurs bleibt, auch wenn es so aussieht, als ob es geschafft ist.....

Ich drücke fest die Daumen, dass ihr weiterhin die Kraft findet, "auf Kurs zu bleiben".

LG Merle
Dienstag, 23.Mai 2017, 02:51

Franc Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 6
Mitglied seit: 19.05.2017
Hallo,

Ich hoffe ihr nehmt es mir nicht übel, aber ich denke Ihr Kind fühlt sich abgerichtet, großteils würde ich mal sagen von unserem arg perversen Umfeld, zu dem Umfeld gehört auch das Internet, es ist zwar in einer Sicht eine verdammt geniale Erfindung, allerdings ist man schneller auf den falschen Seiten als man schauen kann, und davon gibt es im Internet nun mal genug, Kinder im diesem Alter lernen nun mal sehr schnell gerne auch mal das falsche.
Leider muss ich auch sagen das Langeweile das schlimmste ist was man einem Kind antun kann, ka. welcher Therapeut das vorgeschlagen hat aber das ist definitiv keine Lösung. Es muss Ersatz vorhanden sein, das Gehirn muss arbeiten. Anders wird Ihr Kind sich nie entwickeln und sehr schnell sind die 2 Jahre vergangen und Ihr Kind ist 18 und wird gesetzlich als Erwachsen angesehen, aber innerlich nicht mal ansatzweise Reif genug um in die Erwachsenenwelt geschmissen zu werden.

Was ihr evtl. machen könnt ihm klipp und klar sagen wie seine Zukunft aussehen kann, und nichts verschönern. Wenn er nichts sauber macht im Haushalt, so wird sich jede Freundin die er findet in kürze wieder von ihm trennen wenn sie zusammenleben. (auch wenn es nicht immer der Fall ist, aber wie gesagt, nichts verschönern!) Ebenso, wenn er alleine Wohnt und nichts sauber macht, bildet sich schnell Schimmel, was ihn Krank macht. Wenn er nur zocken möchte und nie Arbeiten, so wird er nie alleine Überleben können, (sagt ihm da auch klipp und klar das eure Unterstützung endet sobald er 18 ist, und ihr ihn aus dem Haus schmeißt, auch wenn das vll. nicht eure Intention ist, aber ich würde ihn das nicht wissen lassen, ansonsten wird er nie darüber nachdenken auch mal selbstständig zu machen).
Macht ihm klar das wenn er euch noch einmal droht ihr nicht drum herum kommt ihn auf Therapie zu schicken. (Dort auch gleich sagen das er bei euch mit euren Regeln da noch das schönere Leben hat, denn auf diese Therapien kann man sich nicht entfalten, man wird zu einem funktionierendem Rad in der Welt umgepolt, macht ihm das so unmenschlich klar wie nur möglich).
Informiert euch darüber was man alles machen kann mit dem Computer, außer spielen, sagen wir z.B. Designen (dazu zählt auch Technisches designen, Häuser designen was auch immer, alles davon hilft ihm im späteren Leben einen Job zu finden wenn er sich damit auskennt) oder Programmieren (sehr Hilfreich und es wird heutzutage massenhaft gesucht und verdammt gut bezahlt), Video/Sound editing (ebenfalls hilfreich und immer irgendwo gebraucht).
Und wenn er Videospiele so gerne liebt, die Videospielbranche in Polen ist am steigen, immer mehr Videospielfirmen kommen dort und in Nachbarländern zum Vorschein. Programmierer, Designer, Storywriter und co. alles dinge für die Ihr Kind sich vll. interessiert, vll. habt ihr ja irgendwann ein normales Gespräch mit ihm um Herauszufinden was er davon evtl. machen möchte, falls es nichts außerhalb des PC's ist.

Eines ist sicher, Ihr müsst ihm klar machen das er so nicht überleben kann und das eure Unterstützung nicht für immer da ist. Er muss verstehen das er für sich selber sorgen muss. Und wenn er irgendetwas was er dreckig macht nicht säubert, dann lasst da nicht locker, legt den Dreck in sein Bett. Aber definitiv ihr macht das nicht sauber. Ich würde euch auch raten ihm in den Haushalt zu integrieren, er soll lernen wie man den Haushalt schmeißt, wenn er sich weigert zu lernen wie man eine Waschmaschine bedient dann wascht ihr seine Wäsche nicht.
Ich weiß es sind Harte maßnahmen und er wird anfangs definitiv ausrasten, aber wenn es noch nicht zu spät ist, dann wird er darüber nachdenken und es schlucken.
Was ihr definitiv nicht machen sollt, ihn Loben, und genauso nicht verurteilen.
Sachen wie "siehst war doch nicht so schwer" sind sehr schmerzvoll und bewirken meist nicht was man will.
Auch Sachen wie "Hast du das schon wieder nicht gemacht?" sind nicht Hilfreich, Menschen lernen durch Fehler, wenn er den Waffeleisen nicht sauber macht, einfach in sein Zimmer stellen. Wenn er dann zu euch kommt und fragt was das soll, klar und deutlich antworten das die Sachen nach der Benutzung saubergemacht werden müssen, wenn er das nicht will wird es nicht mehr benutzt, ende.
Und vergleicht ihm nie mit anderen, bitte, denn dass, ob so genannte Therapeuten es zugeben oder nicht. Das Kind fühlt sich als wäre es nichts Wert. Man kann es so vergleichen, (Mein PC hat die selben Komponenten wie der andere und die selbe Software drauf, warum geht das bei mir nicht aber beim anderen.. Es lässt den Menschen wirken wie ein Gegenstand der gleich ist wie jeder andere. Fakt ist aber wir sind nicht alle gleich.)

Ich hoffe es ist für euch noch nicht zu spät und das Ihr ihm klar machen könnt das seine Taten folgen haben und er auch Taten walten lassen muss um das zu bekommen was er möchte.

LG



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