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Selbsthilfegruppe Mediensucht / Rollenspielsucht / Onlinesucht im Münchner Selbsthilfezentrum,...
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Die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen durch den Mobilfunk - die Vierfachfalle


(AKTIV GEGEN MEDIENSUCHT e.V. bedankt sich ganz herzlich für die freundliche zur Verfügungstellung dieses Aufsatzes von Peter Hensinger (Diagnose-funk.org))
Vortrag als PDF-Datei



2. Das digitalisierte Weltbild der jungen Generation

Die meisten von uns wurden noch sozialisiert ohne die neuen Medien und wir reflektieren hier heute ihre Risiken. Was verändert sich bei den Kindern und Jugendlichen, die die "analoge" natürliche Welt nur noch bedingt erleben? Das überwachte und öffentliche "Ich" ist für diese Generation der Normalzustand. Denn normal ist es, seine Handlungen, sein Denken über die sozialen Netzwerke jedermann zur Verfügung zu stellen, auch Geschäftemachern.

Soll schon im Kindergartenalter die Erziehung mit diesen neuen Medien beginnen? So jedenfalls wünscht es die Industrie. Aus der pädagogischen Wissenschaft gibt es handfeste Argumente dagegen. Lernen – d.h. das Erwerben von Kulturtechniken - gehört zu den grundlegenden entwicklungspsychologischen Prozessen des Menschen.

Lernen geschieht in der Familie, in den Erziehungseinrichtungen, im Freundeskreis, in der Natur, auf der Straße, aber auch stets und immer mehr über die Massenmedien. Angesichts des Durchbruchs der neuen Medien sorgen sich Pädagogen, Kriminologen, Soziologen, Neurobiologen, Medienphilosophen nicht nur wegen der Überwachung, sondern auch um die „Medienverwahrlosung“, "Mediensucht", die mangelnde „Körpererfahrung“, die „Digitale Demenz“ ,die „Beschleunigung“, „Entfremdung“, das „Nature-Deficit -Syndrom" (8).

Das reale schöpferische Spiel unter Kindern als ein entscheidendes Erziehungsmittel wird ersetzt durch das Spielen in einer virtuellen, verkabelten oder funkbasierten Bildschirmrealität. Wann soll noch Zeit für das reale Spiel sein, wenn ein Kind zwischen 8 - und 18 Jahren 7,5 Stunden am Tag in der Freizeit elektronischen Medien ausgesetzt ist ( USA, Bleckmann, S.127)? Nur noch 7,7 Prozent der 18 - 25 Jährigen besitzen in Deutschland kein SmartPhone (StZ, 1.10.2013).

Ein wichtiger Aspekt: die veränderte Kommunikation.

Die soziale Interaktion von Kindern ist von 1987 bis 2007 von 6 Stunden auf 2 Stunden gefallen, während die Nutzungszeit elektronischer Medien von 4 auf 8 Stunden gestiegen ist, und sie wächst v.a. durch die Smartphones weiter an. (9) Eine Studie des Smartphone-Herstellers Nokia fand heraus, dass junge Menschen täglich im Schnitt 150 Mal ihr Smartphone nutzen. In Südkorea sind die Zahlen zur Smartphone-Sucht innerhalb eines Jahres alarmierend gestiegen: Von etwas mehr als 10% auf knapp 20 % bei 10 bis 19 Jährigen. Die Brisanz der Virtualisierung der sozialen Beziehungen und ihre Folgen für die Sozialisation und ein demokratisch kritisches Werte - Bewusstsein sind noch nicht begriffen.

Kinder und Jugendliche haben ein großes Bedürfnis nach Gemeinschaft. Nicht dazu zu gehören, ist eines vom Schlimmsten, was ihnen passieren könnte.



Deshalb sind die virtuellen Online-Communities wie Facebook so erfolgreich – man kann immer alles teilen, ist vermeintlich nicht allein. Viele definieren ihren Selbstwert über die Zahl ihrer Facebook- Freunde. Deshalb meinen sie, sie müssten laufend checken, ob ein neues SMS reinkommt, ob sie gefragt = beliebt sind. Es treibt sie oft eine Angst vor dem Allein-Sein.

Es ergeben sich neue Arten von Beziehungen: Man sammelt Freunde, lässt sie ins sein Leben hinein mit Informationen und Bildern, die Privatsphäre schwindet, Missbrauch ist Tür und Tor geöffnet. Viele können nicht abschätzen, auf wen und auf was sie sich einlassen. Und: Das Internet vergisst nichts – welcher Jugendliche bedenkt, dass er mal einen Chef hat, der seine Facebook-Seite kennt, und er weiß nicht, warum er kein Vorstellungsgespräch bekommt.

Die echte/analoge Kommunikation unter den realen Freunden /Freundinnen lässt nach – man simst lieber mit dem nicht anwesenden Facebook-Freund oder sieht sich Bilder an. Eine gesimste Kurznachricht kann leicht missverstanden werden. Wer kann schon eine Situation richtig einschätzen, wenn man nur liest, aber nicht hört und den Gesichtsausdruck sieht. Dadurch werden Beziehungen oberflächlicher. Die positiven Folgen sozialer Interaktion für die Gehirnentwicklung beschreibt Spitzer:

"Zusammenfassend zeigen diese (Forschungs-) Ergebnisse, dass das Leben in einer größeren Gruppe die soziale Kompetenz steigert und zu einem Wachstum der Gehirnregionen führt, die diese soziale Funktion leisten." ( Spitzer, Digitale Demenz, S. 123)

aber das ändert sich derzeit, weil
 
".. .die Nutzung von digitalen sozialen Medien wie Facebook, die ja mit weniger realen Kontakten einhergeht, zu einer Verminderung der Größe sozialer Gehirnbereiche bei Kindern und damit zu geringerer sozialer Kompetenz führen muss." ( ebda. S. 123)

Soziale Kompetenz ist die entscheidende Fähigkeit für Beziehungen und nachher im Beruf. Das Allroundgerät TabletPC soll sich nun als Lerngerät durchsetzen. Massiv werben die Medien- und Schulbuchkonzerne für die Einführung der TabletPCs im Unterricht. Die Bundesregierung forciert diese Entwicklung.(10) Jedem Schüler seinen TabletPC, da winkt auch ein Riesengeschäft.

Prof. Manfred Spitzer stellt in seinem Buch „Digitale Demenz“ entsetzt fest, dass in den Enquete-Kommissionen der Bundesregierung die Industrie-Lobbyisten die Feder führten. Spitzer schreibt in einem neuen Aufsatz:

" Bevor man also jedem Schüler ein digitales Endgerät – das Smartphone ist ein solches – staatlich verordnet („schenkt“), wie es die große Koalition offenbar vor hat, sollte man noch einmal über deren Risiken und Nebenwirkungen nachdenken. Nach den vorliegenden Daten wird die überwiegende Mehrheit der jungen Menschen (knapp 90%) das Smartphone vor allem für Aktivitäten nutzen, die ihrer Bildung, ihrer Gesundheit und ihren sozialen Beziehungen schaden." (11)


 

Geschrieben von: Team-ch am 06.06.2014

 

 


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