<< Dezember 2017 >>
  Mo. Di. Mi. Do. Fr. Sa. So.
>  27  28  29  30 1 2 3
> 4 5 6 7 8 9 10
> 11 12 13 14 15 16 17
> 18 19 20 21 22 23 24
> 25 26 27 28 29 30 31
München: Selbsthilfegruppe Betroffene
Selbsthilfegruppe Mediensucht / Rollenspielsucht / Onlinesucht im Münchner Selbsthilfezentrum,...
10-01-2018   Details

München: Selbsthilfegruppe Angehörige
Selbsthilfegruppe Mediensucht / Rollenspielsucht / Onlinesucht im Münchner Selbsthilfezentrum,...
15-01-2018   Details

München: Selbsthilfegruppe Betroffene
Selbsthilfegruppe Mediensucht / Rollenspielsucht / Onlinesucht im Münchner Selbsthilfezentrum,...
14-02-2018   Details

München: Selbsthilfegruppe Angehörige
Selbsthilfegruppe Mediensucht / Rollenspielsucht / Onlinesucht im Münchner Selbsthilfezentrum,...
19-02-2018   Details

München: Selbsthilfegruppe Betroffene
Selbsthilfegruppe Mediensucht / Rollenspielsucht / Onlinesucht im Münchner Selbsthilfezentrum,...
14-03-2018   Details
Sie befinden sich hier:  Startseite / News / Mediensucht

DAS MACHEN DOCH JETZT ALLE


Onlinesucht in der Familie – Elternbetroffenheit: Referat von Christoph Hirte bei Paritätischen Gesamtverbandin Berlin


Vortrag als PDF-Datei herunterladen



„10 Stunden am Tag vor dem Computer zu sitzen, gehörte zu meinem Tagesablauf. Spielen war keine Nebensache mehr, es war meine Bestimmung. Während dieser 3 Jahre verlor ich meine Existenz. DAS SPIEL NAHM MIR MEIN LEBEN!...... „

Eine Mutter schreibt: „Zur Zeit spielt meine 19-jährige Tochter ca. 9 - 10 Std. am Tag. Sie zieht sich immer mehr zurück. Neulich wurde ein Bewerbungsgespräch abgebrochen, weil sie zu aggressiv war. Wenn Sie nicht spielen darf, rastet sie völlig aus. Neulich hat sie fast unsere ganze Inneneinrichtung demoliert.“


Sehr geehrte Damen und Herren,

dies waren zwei Berichte, wie wir sie tagtäglich seit fast fünf Jahren erhalten.

Vielen Dank für die Einladung, hier beim Paritätischen Gesamtverband sprechen zu dürfen.

Bevor ich aus unserer praktischen Erfahrung mit unseren Selbsthilfegruppen berichte, möchte ich Ihnen im Vorlauf kurz erklären, wie es dazu kam, dass wir uns so intensiv mit diesem Thema auseinander-setzen.


Wir sind dazu gekommen, weil unser ältester Sohn, heute 27 Jahre alt, ehemals Informatikstudent, vor fast fünf Jahren von „World of Warcraft“ abhängig geworden war. Er hatte sämtliche Kontakte nach draußen abgebrochen, seine Wohnung verwahrlosen lassen, hatte sich damals, um uneingeschränkt spielen zu können, exmatrikulieren lassen, hatte Hartz IV beantragt und war auf der sozialen Leiter ganz unten angekommen. Nach einem langen Kampf hat er sich aus eigener Kraft mittlerweile weitestgehend von den Fesseln der Spiele befreit. Von der krankmachenden Exzessivspielerei sind ihm allerdings Depressionen geblieben, die ihm den Einstieg in seine neu erworbene Selbständigkeit immer wieder erheblich erschweren.

Um unserem Sohn helfen zu können, auch um verstehen zu können, was ihm widerfahren war, hatten wir damals versucht, mehr über die nach wie vor nicht als Krankheit anerkannte Onlinesucht in Erfahrung zu

 bringen und hatten uns bei Beratungsstellen, Kliniken, im Internet und bei diversen anderen Stellen intensiv über diese Thematik informiert. Mehr und mehr wurde uns klar, dass dies mit unserem Sohn wahrlich kein Einzelfall ist, sondern dass es mittlerweile in Deutschland laut Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung bis zu 2,8 Millionen Onlinesüchtige und ebenso viele Gefährdete gibt. Hinter jedem Einzelnen steht eine verzweifelte Familie!

Wir beschlossen, mit unserer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, um andere darüber zu informieren, was passieren kann, wenn jemand die Kontrolle über seine PC-Zeiten und damit oft auch die Kontrolle über sein Leben verliert. Wir sind der Meinung: Umfassend informiert zu sein, schützt und kann verhindern helfen. Allerdings scheint die Bereitschaft, sich intensiv mit diesem Thema auseinander zu setzen, noch kaum vorhanden zu sein. Offenbar ist es leichter zu sagen: „DAS MACHEN DOCH JETZT ALLE!

Wir haben damals die Elterninitiative www.rollenspielsucht.de ins Leben gerufen……..

…..   und anderthalb Jahre später den Verein AKTIV GEGEN MEDIENSUCHT e.V.
(
www.aktiv-gegen-mediensucht.de gegründet.

Die Internetseite www.rollenspielsucht.de wurde bis heute über 850.000 Mal aufgerufen. Täglich haben wir auf beiden Internetseiten zwischen 300 und 500 Zugriffe. Der Informationsbedarf ist enorm!

Im August 2008 wurde in der ARD-Dokumentation von Anja Reschke u.a. über unsere Arbeit berichtet und dieser Bericht verstärkte die Hilferufe aus allen Richtungen. Wir brauchten Monate, um die Mails zu bearbeiten.

Die Beiträge in unseren Foren (Erfahrungsberichte von Angehörigen, Spielern und Aussteigern) liefern einen wichtigen Einblick in das, was in vielen Familien los ist im Gegensatz zu diversen Statistiken oder wunderschön formulierten theoretischen Abhandlungen zu diesem Thema.

Durch die vielen Telefonate mit den betroffenen Familien, durch die an uns gerichteten Briefe und den ständigen Erfahrungsaustausch mit Angehörigen und Betroffenen, sind wir tief in diese Materie hineingewachsen und lernen weiterhin tagtäglich dazu.

Austauschforen mit ausführlichen Situationsberichten: bei AKTIV GEGEN MEDIENSUCHT e.V.:
(
Angehörigen-Forum, Aussteiger-Forum, Forum für Alleinerziehende, Betroffenen-Forum, Partner-Forum)

Berichte bei rollenspielsucht.de: aus Familien (420) , Aussteigerberichte (223),  

(Stand: 08.12.2011)

Bereits im Sommer 2007 haben wir einige hundert Suchtberatungsstellen angeschrieben, verbunden mit der Bitte, Fortbildungsmaßnahmen anzuregen, damit der enorm hohe Bedarf längerfristig besser abgedeckt werden kann. Wir haben immer für alle Hilferufenden bundesweit vor Ort eine Beratungsstelle gesucht. Dies hat häufig viele Tage gebraucht und eine Vielzahl von Telefonaten erfordert.

Aus der anfänglichen Zettelwirtschaft wurde nach und nach ein System, und so entstand unser Netzwerk für Ratsuchende, eine umfangreiche, für alle zugängliche Datenbank. Hierfür waren erneut viele viele Anrufe erforderlich, um die Stellen zu bitten, sich selbst dort einzutragen, damit sie schneller gefunden werden können. Mittlerweile gibt es dort über 350 Einträge. 2x im Jahr verschicken wir eine Aktualisierungsbitte. Wenn Ihr Angebot noch nicht eingetragen ist, möchten wir Sie bitten, dies nachzuholen.