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„Das haben wir nicht gewusst“ zählt nicht mehr!


Bestandsaufnahme nach 4 Jahren Arbeit rollenspielsucht.de

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Seit 2007 arbeiten wir zum Thema Mediensucht tagtäglich mit hilfesuchenden und verzweifelten Menschen, Angehörigen und Betroffenen. Hier gibt es ein gesamtgesellschaftliches Problem, das alle Generationen betrifft, doch fast alle, besonders die Verantwortlichen (Politik, Presse, Kirchen) in diesem Land, schauen flächendeckend weg. Sie beschäftigen sich eher mit sich selbst (Politiker) oder überlassen diese wichtigen Themen Beratern, die sich möglicherweise dem reizvollen Sog der unbegrenzten Möglichkeiten selber nicht entziehen können und dementsprechend nur ungern diesbezüglich kritisch berichten bzw. die reale Situation in den Familien nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Der Fachverband Medienabhängigkeit bezeichnet diese bereits als eine Volkskrankheit.

Unsere Anliegen an Politiker, Kirchen, Firmen, Krankenkassen und die Presse sind: Sprechen Sie mehr persönlich mit betroffenen Familien, um sich ein klares Bild von deren schwieriger Situation zu machen, und wechseln Sie Ihre Berater, um die Tatenlosigkeit zu beenden. 
  • Solange es Lehrer gibt, die dieses Thema an der Schule nicht weitertransportieren wollen, weil es nicht im Lehrplan steht (!),
  • solange die Schulen bei exzessivem Schulschwänzen noch immer nicht die Diagnose Mediensucht in Betracht ziehen und die Eltern diesbezüglich verständigen,
  • solange in Wohngemeinschaften nicht miteinander gesprochen wird, sondern jeder allein in seinem Zimmer sitzt, um mit seinen Mitbewohnern über Facebook zu  chatten,
  • solange im Zuge der großen Internetfreiheit widerspruchslos auch Mobbing, Verleumdungen, Massenmanipulation, Datenklau, bzw. –verkauf, etc. widerstandslos  in Kauf genommen werden,
  • solange niemand sich über die massive Zwangsbestrahlung durch Mobilfunk, Wlan und die neuen Superhandies in der Hosentasche Gedanken macht, (steigende  Krebsraten),
  • solange bezüglich der neuen Medien von der neuen „ Jugendkultur“ gesprochen wird,
  • solange viele offizielle Broschüren meist nur von (oft noch kinderlosen!) Medienpädagogen erstellt werden und nicht mit Hilfe derer, die nicht nur über  theoretisches Wissen verfügen sondern auch die leidvolle Praxis kennen (inkl. Selbsthilfe!),
  • solange die allgemeine Meinung vorherrscht, dass man nicht ohne Facebook leben kann, (vielfach so notwenig wie atmen oder essen - auch jederzeit überall  mobil),
solange sollte die Verhinderung von Mediensucht zur Chefsache auf allen Ebenen gemacht werden. Es sollte eine generationsübergreifende Allianz entstehen. Wen interessiert heute, welche Auswirkungen der Ausfall einer ganzen Generation volkswirtschaftlich haben wird? Wen interessiert heute, wer für die Behandlungskosten aufkommt (Sucht, Folgen mangelnder Bewegung und schädigender Ernährung, etc.)? Warum behandelt die Computerspielmesse „Munich Gaming“ - viele Politiker völlig kritiklos mit im Schlepptau - im Gegensatz zu früher, das Suchtproblem überhaupt nicht mehr?

Wir machen die Erfahrung, dass zu viele Menschen mit einem versteinerten Lächeln im Gesicht sagen: „Ich weiß Bescheid“ oder „Man kann da ja eh nichts machen“, aber die Vorstellungskraft vieler Menschen reicht in der Regel nicht aus, die familiären Probleme, die durch die Mediensucht tagtäglich neu eskalieren, zu verstehen und anzunehmen. Die meisten Familien sprechen nach wie vor nicht darüber. So tauchen die massenhaft vorhandenen Probleme nirgends in den Statistiken auf. Das Problem wächst von Jahr zu Jahr. Die Verzweiflung der Familien grenzt vielfach an das Aushaltbare, besonders bei alleinerziehenden Müttern.

Gern wird die alleinige Verantwortung den betroffenen Eltern angelastet. Warum haben sie nicht mehrere Studiengänge zum Thema Medienkompetenz absolviert? Sie sollten Experten für EDV, Pädagogik, Kommunikation und Sucht sein und noch dazu unendlich viel Ruhe und Zeit aufbringen. Aber Achtung! Existenzsorgen dürfen hier keine Rolle spielen. Ein Kinderspiel für die Familien, oder?

Laut Industrie und Medienpädagogen dürfen die Eltern den Kindern durch eine strikte Regelung des PCKonsums die Zukunft nicht verbauen. Geraten jedoch die Mediennutzungszeiten der Kinder außer Kontrolle, sind wiederum die Eltern daran schuld. So einfach ist das!

Hier darf auch die Frage gestellt werden: „Was ist die Zukunft?“ Eine Zukunft, wie sie sich die Spiele-Industrie für unsere „Mediengesellschaft“ vorstellt, in der nur noch die elektronischen Medien und die Gewinne der Branche den Tagesablauf von immer mehr abhängigen Menschen jeglichen Alters bestimmen?

Wie kommt es dazu, dass beim Versuch der Eltern, die Mediennutzungszeiten ihrer Kinder zu verringern, Jugendliche ganze Wohnungseinrichtungen zerlegen und auch nicht vor körperlichen Attacken zurückschrecken? Warum ist es nach wie vor möglich, über Universitätsleitungen sogar während der Vorlesungszeiten Spiele übers Internet zu spielen? Wieso müssen sich Arbeitgeber immer öfter die Frage stellen, ob zukünftig z.B. Facebook das Gehalt bezahlen sollte, weil immer mehr Arbeitszeit im Internet verbracht wird?

Betroffene Angehörige haben keine Zeit, auf Statistiken und Langzeitstudien zu warten und tatenlos auszuharren, bis die Onlinesucht endlich als Krankheit anerkannt wird und Maßnahmen zur Verhinderung ergriffen werden.


Kennen Sie Momo und die Zeitdiebe von Michael Ende?
Damit nicht noch mehr Menschen die Schwelle zur Mediensucht überschreiten, damit deren Angehörige nicht weiterhin ohnmächtig daneben stehen müssen und durch diese belastende Situation an Körper und Seele erkranken, wünschen wir uns, dass sich mehr Menschen intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen. Es genügt nicht, die unendliche Masse der zur Verfügung stehenden Informationen einmal eben quer zu lesen. Die Angehörigen brauchen ein umfassendes Begreifen, um konkret handeln zu können. Meist geht es um die eigenen Kinder. Wenn das Kind undefinierbare starke Bauchschmerzen hat, gehen die Eltern möglichst zum besten Arzt, damit es so schnell wie möglich wieder gesund wird. Wenn sich dann herausstellt, dass ein Blinddarmdurchbruch vorliegt, wird logischerweise sofort gehandelt. Liegt beim Kind jedoch eine Mediensucht mit all ihren verheerenden Auswirkungen vor, versagen meist das Bauchgefühl und die Vernunft, sofort klare Konsequenzen zu ziehen. Medienpädagogen und manche sog. Experten, oft orientiert an den Interessen der Spieleindustrie, haben durch ihre jahrelange Beruhigungsstrategie die Eltern verunsichert. („Das alles ist von klein auf wichtig für Ihr Kind und für seine Zukunft“). Ist das Kind in den Brunnen gefallen, sind jedoch ausschließlich die „versagenden“, oft auch die „hysterischen“ Eltern dafür  verantwortlich. Es wird, auch von anderen Eltern, mit dem Finger auf sie gezeigt. Die betroffenen Familien ziehen sich zurück und vergrößern dadurch das Problem. Von Teilnehmern unserer Angehörigen-Selbsthilfegruppe hören wir oft den erleichterten Satz: „Endlich hört mir jemand zu und versteht meinProblem“.

Wir brauchen eine generationsübergreifende Kultur des Hinsehens und Einmischens - da darf die lebenserfahrene ältere Generation nicht fehlen.

Lesen Sie das eben angesprochene Buch von Michael Ende, beschäftigen Sie sich intensiv und ausführlich, z.B. mit unseren Internetseiten www.rollenspielsucht.de und www.aktiv-gegen-mediensucht.de und lesen Sie „Erste Schritte bei Mediensucht“ sowie die Aussteigerberichte bei rollenspielsucht.de und bei AKTIV GEGEN MEDIENSUCHT e.V. Hier kann man am allermeisten über dieses Problem lernen - von Menschen, die beide Welten kennen.

Wenn Sie bereits massive Probleme Zuhause haben
, wenden Sie sich an Stellen, die helfen können. Über 330 (Stand: 06.05.11) solcher Stellen finden Sie im Netzwerk für Ratsuchende. Alle Stellen haben sich selbst eingetragen und verraten, wo man sie findet, wer kommen kann und wie die Kontaktaufnahme stattfinden kann. Wir bemühen uns, das Netzwerk weiter auszubauen. Dort finden Sie auch hervorragende Offline-Alternativen, Aktivitäten im richtigen Leben, die helfen können, die freie Zeit der Jugendlichen sinnvoll auszufüllen und sie auf diese Weise vom PC weg zu locken. Bei Kindern und Jugendlichen, die bereits im Computer und in Online-Spielen oder sog. sozialen Netzwerken ihren „Lebenstraum“ gefunden haben, wird es jedoch zunehmend schwieriger, Alternativen im realen Leben anzubieten, weil alles Reale vielfach nur als „langweilig“ abgetan wird. Deshalb raten wir, mit der Mediennutzung so spät wie möglich zu beginnen. Es wird automatisch mehr. In frühen Jahren lernen die Kinder in erster Linie, den PC als Spielzeug zu benutzen, und erliegen dem ungeheuren Sog der unendlichen Weite des Internets und der elektronischen Medien.

Der Lähmungszustand der Eltern muss beendet werden. Das gelingt aber nur durch eigenes Engagement, und nicht erst morgen, sondern bereits jetzt sofort. Was ist wichtiger, als die Gesundheit der eigenen Angehörigen? Schaffen Sie eine Lobby für Familien! Fragt sich nur, wo wir die Milliardengewinne hernehmen sollen, die „die Konkurrenz“ für Ihre PR- und Lobbyarbeit zur Verfügung hat? David gegen Goliath! Familienpolitik und alles was dazu gehört, muss auf den Prüfstand! Werden Sie auch eine Momo! Amnesty International sagt: „Wer schweigt, wird mitschuldig“. Auch bezüglich des Missbrauchs elektronischer Medien dürfen wir nicht länger schweigen. „Das haben wir nicht gewusst“ zählt nicht mehr.

(verfaßt von Christine und Christoph Hirte 08.05.11 zum 4. Geburtstag von rollenspielsucht.de)

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Geschrieben von: Team-ch am 07.05.2011

 

 


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