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merle

(Donnerstag, 15.Mär 2018, 18:28)
Lieber Aquila,

das ist wirklich fast unglaublich, was du da berichtest. Der Werdegang eures onlineabhängigen Sohnes gleicht zwar dem aller anderen, aber dass es ihm gelungen ist, den Kontakt zu euch zu halten und euch über so viele Jahre ein Parallel-Leben zu präsentieren, nimmt mir den Atem. Nicht auszudenken, unter welch immensem Druck er dabei gestanden haben muss. Welche „ngste muss er ausgestanden haben, dass er bloß immer wieder einen lückenlosen Übergang zu seinen Erzählungen vom letzten Mal findet und dass er sich bloß nicht mit einem falschen Wort verrät. Wie gut, dass ihm bei diesem anstrengendsten Lügenkonstrukt am Ende doch die Luft ausgegangen ist.

Es ist gut, dass ihr ihn wieder bei euch aufgenommen habt. Und die Entscheidung, ihm den Internetzugang zu kappen, ist die einzig richtige. Dennoch wäre es wichtig, dass er, bevor er sich erneut um eine Lehrstelle oder Ausbildung welcher Art auch immer bemüht, für viele Wochen in eine Suchtklinik geht. Diese Krankheit ist nicht einfach so durch ein paar Wochen Medienabstinenz aus der Welt geschafft. Die tieferen Ursachen, die dazu geführt haben, sollten erkannt und bearbeitet werden. Euer Sohn sollte lernen, wie er das, was ihn "in Versuchung führt", weiträumig umfahren kann. Die Affinität, die er offenbar von Anfang an zu solchen Spielen hatte, wird ihm lebenslang bleiben und dies muss ihm bewusst werden. Die Fachstelle für Sucht kann ihm beim Procedere für einen Klinikaufenthalt behilflich sein. Vorher und nachher sollte euer Sohn regelmäßig die Selbsthilfegruppe besuchen, damit er dran bleibt an diesem Thema und damit sein Ausstiegswille am Leben erhalten bleibt.

Eure Enttäuschung als Eltern, eure Wut und eure Fassungslosigkeit, sind absolut nachvollziehbar. Lasst diese Gefühle zu, doch versucht dennoch, nach vorne zu blicken. Dass euer Sohn euch so umfassend belogen hat, ist Teil seiner Krankheit und wahrlich nicht Teil seines Charakters. Die quälenden Schuldfragen, die vor allem die Mütter heimsuchen, lähmen nur und sind nicht produktiv. Immer ist ein ganzes Paket an Voraussetzungen die Ursache für eine solche Erkrankung. Nur diejenigen (meist die "guten Ratschlaggeber" in Familie und Umfeld), die keine Ahnung von dem Ausmaß und den verheerenden Auswirkungen dieser Problematik haben, führen dies rein auf erzieherisches Versagen zurück. Geiselt euch da nicht. Ihr habt in Liebe - wenn auch geschockt und fassungslos - reagiert, nachdem euer Sohn sich euch anvertraut hat. Dass er es gewagt hat, euch nach so vielen Jahren reinen Wein einzuschenken, zeigt, dass euer Verhältnis ein gutes ist, trotz all dem, was passiert ist. Er braucht euch jetzt und ihr könnt ihn unterstützen und stärken auf seinem schweren Weg aus der Abhängigkeit.

Ich begleite euch gedanklich und wünsche euch viel Kraft.
Herzlichst, Merle

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