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        Mädchen, 17, Whatsapp

Mädchen, 17, Whatsapp

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(Freitag, 29.Sep 2017, 12:24)
Mädchen, 17, Whatsapp
Hallo zusammen,

ich versuche es möglichst kurz zu machen, damit es übersichtlich bleibt.

Meine Tochter ist kurz vor der Volljährigkeit. Mit 12 gab es das erste Smartphone und seitdem schlich es sich ein, dass sie es immer häufiger nutzte. Als sie vor drei Jahren das Kunststück fertigbrachte, sogar mit Handy in der Hand ihre Schuhe zu binden, war ich zum ersten Mal mit ihr bei einer Suchtberatung.
Dort schaffte sie es, alles so zu drehen, als sei ich die besorgte Übermutter und sie hat natürlich alles im Griff.

Wir waren in diesem Jahr wieder zur Beratung, andere Beratungsstelle und diesmal konnte sie den Psychologen auch nicht mehr so gut täuschen. Er hat mir im anschließenden Gespräch dringend geraten, als letzte Konsequenz das Taschengeld zu streichen (wogegen ich mich bis vor kurzem auch noch gesträubt habe).

Das Einzige, was die junge Dame noch auf die Reihe bekommt, ist die Schule. In den Fächern, die ihr liegen, hat sie gute bis sehr gute Noten, in denen, die sie nicht mag, Noten zwischen 2-5. Das alles wohlgemerkt immer mit einer Hand, die das Smartphone hält!

Ihre realen sozialen Kontakte werden immer weniger, ich habe das Gefühl, mittlerweile provoziert sie sogar Streit, um Leute fernzuhalten.
Übernahme minimaler Pflichten bekommt sie nicht hin. Mittlerweile lässt sogar die Körperpflege sehr langsam nach (Haare sind nicht komplett gewaschen, zB nur 3/4, vermutlich wieder eine Whatsapp-Nachricht).
Sie kann sich kaum noch etwas merken, vergisst Termine und Dinge, die ihr eigentlich am Herzen liegen. Ich habe das Gefühl, ihr Gehirn funktioniert nicht mehr normal, auch über den normalen Pubertätswahnsinn hinaus.
Ihr großes Ding ist Whatsapp, wo sie mehrere Rollenspiele parallel bespielt und "total viele Freunde" hat.

Den Router zuhause habe ich so programmiert, dass sie darauf Seiten, die schulrelevant sind, jederzeit abrufen kann. Mehr WLAN hat sie durch ihre "Faulheit" verwirkt. Ihr Taschengeld von 100Euro im Monat ist immer komplett weg, ich gehe davon aus, dass sie es in High-Speed-Internet anlegt.

Im September sind wir umgezogen, die Wohnung liegt in einem Funkloch. Seitdem ist sie unglaublich aggressiv, kaum zu normaler Kommunikation fähig und ich bin endgültig an meiner persönlichen Grenze angelangt.

Vielleicht kann ich noch irgendwas bewirken, solange sie zuhause wohnt. Ich habe große Sorge, dass mit ihrem Auszug und dem selbstbestimmten Rahmen einer Universität ihr Leben zumindest für eine Weile den Bach runtergeht.
Daher werde ich vorerst das Taschengeld nicht auszahlen sondern für sie sparen und ich hoffe, wenn sie wieder zusammenbricht, weil sie keinen Quadratzentimeter findet, auf dem ihr Handy funkt, habe ich die Kraft, einfach den Rettungswagen zu rufen. Vielleicht sind die Sanis pfiffig genug, zu verstehen, wie schlecht es ihr geht, auch wenn es erstmal alles normal aussieht - und verfrachten sie zumindest für eine Nacht in die Psychiatrie, wo vielleicht auch jemand ist, der Ahnung hat - die Hoffnung stirbt ja zuletzt.

Hat noch irgendjemand irgendwelche Tipps, die funktioniert haben? Ich werde natürlich nochmals die Beratungsstelle aufsuchen, allerdings waren da die guten schulischen Leistungen noch ein Punkt, zu sagen, "warten wir ab" und ich weiß auch nur zu gut: wenn sie selbst nicht will, kann ich mir den Mund fusselig reden und alles ist umsonst.

Ich hoffe, es ist nicht allzu chaotisch zu lesen.

Viele Grüße,

Frau Tulpe.


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